Photovoltaik Anlage selber reinigen

Branchenwissen für Photovoltaikbetreiber und Solarreiniger

In den ersten Photovoltaik-Boomjahren von 1999 – 2008 glaubte der PV Eigentümer, dass seine Module völlig selbstreinigend seien. Niemand hat ernsthaft hinterfragt, ob sich das Versprechen der Modulhersteller bewahrheiten wird. Die Erfahrungswerte vom Dachflächenfenster, das jeder regelmäßig reinigt, auf eine Photovoltaikanlage zu übertragen war nicht möglich. Heute stellt kaum noch jemand grundsätzlich den Wert und Nutzen einer Photovoltaik Reinigung in Frage.

Genauso verhält es sich mit dem „Selber-Reinigen“ von Photovoltaikanlagen. Viele Photovoltaikeigentümer glauben eine fachgerechte Reinigung der PV Module sei leichter als Fenster putzen. Besonders bei Eigentümern kleiner Hausanlagen ist diese Meinung verbreitet, weil es ihnen ausreicht, „wenn der gröbste Dreck wieder unten ist“. Die Reinigung eines PV Moduls und eines Fensters ist kaum vergleichbar. Photovoltaikmodule sind technische Bauteile, die bauartbedingt höhere Anforderungen an das Reinigungsgerät und Know-How stellen.

Sie möchten als PV-Eigentümer, als gewerbetreibender Hausmeister oder als Solateur selbst PV Anlagen reinigen? Lesen Sie hier die Grundlagen für eine fachgerechte und schadensfreie Photovoltaik Reinigung.

Die Industrie vehindert fachlich fundierte Reinigungsstandards

Die historischen Fehler der Solarreinigung in Europa

Ein Reinigungsgerät ist schnell gekauft. Darf man dem Verkäufer Glauben schenken, dass der Rest ein Kinderspiel ist? Warum sind die Reinigungsempfehlungen für Photovoltaikanlagen so dürftig? Wer sagt eigentlich wie eine Photovoltaikanlage fachgerecht zu reinigen ist? Die Antworten liegen in der Historie der Photovoltaikreinigung. Um schadensfrei Module reinigen zu können, muss man auch die Branche verstehen, denn der heutige Reinigungsstandard in der Solarreinigung fußt nicht auf fachlichem Know-How, aber lesen Sie selbst….

Reinigungsempfehlung

Das Problem No.1: die Modulhersteller
In den Jahren 2008-2012 zeigte sich massiv, dass die zugesicherte Produkteigenschaft der „Selbstreinigung“ nicht real war. Es gab viele Reklamationen wegen Minderertrag und Modulschäden aufgrund von Verschmutzung und die Hersteller wurden von Ihrem eigenen Marketingversprechen eingeholt. Man war herstellerseits jedoch nicht bereit dafür einzustehen und die Kosten von Modulschäden aufgrund fehlender oder mangelhafter Reinigung zu übernehmen. Deshalb hat man auf die schnelle „irgendwelche“ Reinigungsempfehlungen in die Handhabungsrichtlinien der PV Module geschrieben. Alles wurde „mit der heißen Nadel gestrickt“. Bis heute sind die Reinigungshinweise überwiegend praxisfremd, fachlich falsch und widersprechen sich von Hersteller zu Hersteller. Wenige befassen sich mit der Reinigungsthematik ernsthaft, denn es geht einfach nur darum eine Produkthaftung abzuwenden.

Das Problem No.2: fehlende DIN Norm
In Deutschland verhindern Interessenskonflikte Normen und verbindliche Richtlinien für die fachgerechte Reinigung von thermisch vorgespanntem Glas. Die meisten Solargläser sind thermisch vorgespannt, bekannt unter den Bezeichnungen „tempered“, „ESG“, „TVG“, oder „Sicherheitsglas“. Eigentlich sollten diese Gläser aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften sogar mit einem Ätzstempel gekennzeichnet sein. Thermisch vorgespanntes Glas ist bruchstabil, aufgrund seiner inneren Vorspannung aber auch sehr verkratzungsempfindlich. Zusätzlich aufgebrachte Antireflexbeschichtungen können labil sein.

Sicherheitsglas ist in der Architektur schon seit langem ein heißes Eisen, denn jedes Jahr werden Gutachter wegen Bearbeitungsschäden durch falsche Reinigung in Millionenhöhe beschäftigt. Besonders die Grauwasserreinigung, das Abwaschen mit verschmutztem Wasser, beschäftigt die Gerichte. Es geht um die Verkratzung der Gläser bis hin zum Verlust der mechanischen Stabilität. Gemäß Norm ist nur das Abklingen mit dem Glasschaber ist als nicht-fachgerechte Handhabung ausdrücklich untersagt.

Bild oben: Auszug aus dem Merkblatt der RAL Gütegemeinschaft Gebäudereinigung e.V.
Den Download der kompletten Informationsbroschüre finden Sie unter GGGR Merkblatt „Reinigung von vorgespannten ESG- und beschichteten Gläsern im Architekturbereich“.

Ätzstempel

Photovoltaikmodule tragen überwiegend ein thermisch vorgespanntes Glas (DIN EN 12150 oder 1863). Besonders fatal für alle Reinigungsbetriebe: die Mehrheit der Modulhersteller versehen ihre Modulgläser nicht mit dem üblichen Ätzstempel als Warnhinweis.

PV Module können auch mit unterschiedlichsten Beschichtungen versehen sein. Man findet nur selten einen entsprechenden Hinweis in den Produktunterlagen. Einzelne Baureihen können Antireflexbeschichtungen tragen, ohne dass dies optisch erkennbar wäre, oder gesondert darauf hingewiesen wird. Unterschiedliche Beschichtungen erfordern aufgrund ihres Herstellungsprozesses ein differenziertes Reinigungsprozedere. Also arbeitet der Reinigungsbetrieb mangels Norm und Information „auf eigene Verantwortung“ und steht individuell in der Haftung für Bearbeitungsschäden.

Solarreinigung Pioniere Photovoltaikreinigung Hersteller

Das Problem No.3: die Gerätehersteller
In den Jahren 1999 – 2009 gab es in Deutschland weniger als eine Handvoll Pioniere in der Solarreinigung und wir haben versucht „aus dem Nichts heraus“ eine fachgerechte Reinigung von Photovoltaikanlagen zu entwickeln. Denn es gab keine Reinigungsempfehlung, keine Normierung und kaum käufliches Reinigungsequipment.

Alle hatten viel Eigeninitiative und natürlich auch unterschiedliche Ansichten in Fachfragen. So entwickelte sich ein Branchenstandard in der Photovoltaik Reinigung. Wir haben mit unserem Fachbetrieb Ökologische Solarreinigung maßgeblich die Entwicklung der Solarreinigungsbranche geprägt und bewußt immer wieder die Messlatte fachlich höher gelegt. Denn es zuerst einmal darum die realen Reinigungsanforderungen zu erkennen und zu erfüllen.

2012 erkannte die Reinigungsindustrie die PV Branche als lukrativen Zukunftsmarkt und brachte ein Gerät nach dem anderen heraus. Zu dieser Zeit entstanden auch die ersten Rotationsbürsten. Gerätehersteller haben logischerweise nur eines im Sinn, nämlich ihre Produkte zu verkaufen. Man hat die Photovoltaikbranche mit dem Thema Solarreinigung schlagartig und äußerst aggressiv überschwemmt. Seitdem kann jeder überall ein Reinigungsgerät für PV Anlagen kaufen. Seitdem sitzt auf jedem Dorf ein (nebenberuflicher) Solarreiniger. Diese Reinigungsfirmen kommen und gehen und das ist erwünscht. So verkauft man die Geräte erfolgreich in großer Stückzahl. Der heutige Branchenstandard in der Photovoltaikreinigung wird von den Geräteherstellern bestimmt, nicht von den fachlichen Anforderungen gealterter Photovoltaikmodule.

Das Problem No.4: das Internet
Seit 2012 wird das Angebot an Reinigungsgeräten und Reinigungsmittel zunehmend unübersichtlich und parallel sinkt die Hemmschwelle für Reinigungsmethoden. Man bearbeitet Photovoltaikanlagen mit allen nur denkbaren Scheuerwerkzeugen. Wenn man den Werbeaussagen der (durchaus auch namhaften) Gerätehersteller glauben möchte, sind alle Methoden irgendwie „schonend“, „sanft“ und „ökologisch“. Folglich nehmen viele private Anwender, genauso wie die gewerblichen Solarreiniger diese Marketingsprüche „im guten Glauben“ für bare Münze. Wichtig ist vielen vor allem möglichst viel Fläche bei geringem Aufwand zu reinigen. Das Internet dupliziert dieselben Werbeaussagen und was man wiederholt liest scheint richtig zu sein. Der Branchenstandard in der Solarreinigung wird nun über die Möglichkeiten definiert, welche die Reinigungsgeräte bieten. Eine fatale Entwicklung, denn verschmutzte Module stellen bauartbedingt hohe Anforderungen an das Reinigungshandwerk, und das muss die Orientierung der Solarreinigers sein.

Berufsanfänger aufgepasst: selber reinigen – was ist zu beachten?

Fakt ist, nicht jedes am Markt angebotenes Reinigungsgerät ist geeignet für die Reinigung von Photovoltaikanlagen. Ohne entsprechendes Know-How kann die Anwendung eines frei erhältlichen Reinigungsequipments Schäden am Photovoltaikmodul bewirken. Wenn Sie Ihre Photovoltaikanlage noch immer selber reinigen möchten, empfehlen wir Ihnen folgende Herangehensweise.

Bild links: unfachmännische PV Reinigung mit Rotationsbürste. Stark haftende Nachverschmutzung auf den Bürstenspuren.

In der Photovoltaikreinigung versprechen maschinelle Reinigungsmethoden ein leichtes Spiel. Diese Reinigungsgeräte bergen jedoch unterschätzte Risiken für Bearbeitungsschäden. Ist das Auflagegewicht nämlich zu groß oder verursacht das Reinigungsgerät Vibrationen und Stösse, bewirken Sie als Solarreiniger dauerhaft Verluste durch das Aufbrechen von Mikrorissen. Passen Wassermenge, Rotationsgeschwindigkeit, Verschmutzungsgrad, Dachneigung, Aussentemperatur nicht zueinander, werden Sie die Glasoberfläche aufrauhen und Verkratzung verursachen.

Wir haben von Anfang an alle am Markt verfügbaren Reinigungsgeräte unabhängigen Praxistests unterzogen. Unsere Fallstudien, Laborentwicklungen, die Forschungsergebnisse der Hochschulen und Weiterbildung in der Glasindustrie haben wir in die Entwicklung einer eigenen verantwortungsvollen Reinigungsmethode integriert. Deshalb verzichten wir in der Photovoltaik Reinigung auf Rotations- oder Hochgeschwindigkeitsbürsten. Vollentsalztes, entmineralisiertes Wasser setzen wir ebenfalls nicht ein.

In der Ökologischen Solarreinigung verwenden wir folgerichtig handgeführte Teleskopbürsten. Die Bürstenköpfe tragen einen speziellen Schnitt, um nur völlig gelöste Verschmutzungen vom Solarglas zu entfernen. Wir passen die Wassermenge der Arbeitsanforderung an und verwenden immer ausreichend Wasser und sehr niedrige Drücke von 0,5 Bar. Wir lehnen die Anwendung von Nanoprodukten, Mikroorganismen und Reinigungschemikalien (auch sog. „Ökoreiniger“) aus ökologischen und fachlichen Gründen kategorisch ab.

Selbstgereinigte PV Anlage

Bild links: mehrfach selbst gereinigte PV-Anlage mit stark haftender Nachverschmutzung.

Falls Sie tatsächlich beabsichtigen Ihre PV Anlage selber zu reinigen, machen Sie es bitte richtig gut. Oder lassen Sie es einfach bleiben. Denn sämtlicher Schmutz muss gut eingeweicht und restlos(!) entfernt werden. Es genügt einfach nicht den gröbsten Schmutz zu entfernen. Alle angelösten Schmutzreste werden sich um so hartnäckiger mit dem Modulglas verbinden. Dies ist der beste Weg Solarglas und Beschichtung zu ruinieren. Mehrmals selbst gereinigte Photovoltaikanlagen sind für den Solarreinigungs-Fachbetrieb sehr aufwändig zu reinigen, wesentlich aufwändiger als PV Anlagen die jahrelang nie gereinigt wurden. Und alle Bearbeitungsfehler und alle ungenügende Reinigungsergebnisse führen im Laufe der Zeit zu einer hartnäckig haftenden Verschmutzung.

Flechten Solarreinigung

Bild links: Freischwemmen der Modulrahmen. Flechtenwachstum hat die Rahmenschlitze aufgebogen.

Die Glasflächen müssen nach einer Modulreinigung richtig sauber sein. Das ist eine Selbstverständlichkeit. Wenn sich an Glas oder Rahmen pflanzliches Wachstum angesiedelt hat, muss dieses auch entfernt werden.

Das Freischwemmen der Rahmenschlitze von Flechten, Moos, Algen, Pilzen und Schmutz zeichnet eine fachmännische Photovoltaik Reinigung aus. Denn die Ansiedlung von Pionierpflanzen, Krusten und Pilzen verursacht bei allen Modularten Schäden.

Die „Modulreinigung für den Hausgebrauch“ kann diese Qualität nicht leisten. Deshalb empfehlen wir bei pflanzlichem Bewuchs ungeachtet der Anlagengröße immer einen erfahrenen Fachbetrieb zu beauftragen.

Keine Beratung für „Selbermacher“

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine Beratung für fachfremde Handwerker anbieten, die Photovoltaikanlagen selbst reinigen möchten. Aus der Schulung eigener Mitarbeiter wissen wir, dass man eine gute Reinigungsleistung nicht theoretisch vermitteln kann. Es braucht monatelange, praktische Schulungen, Hinweise und Korrekturen, um die erforderliche Erfahrung und das notwendige Know-How zu erreichen. Wie in jedem anderen Beruf auch. Dies ist für den Hobbyreiniger eine Überforderung.

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